BRETONISCHES
       ROAD MOVIE

Radweg Traversée Bretonne

Quer durch die Bretagne vom Atlantik bis zum Ärmelkanal führt die abwechslungsreiche Route: Auf rund 500 Kilometern geht es durch verschiedene Landschaften zu Kunst und Kulinarik entlang von Kanal, Fluss und Meer.



Blick auf die Bucht von Dinan am Atlantik.

RADWEG TRAVERSÉE BRETONNE Quer durch die Bretagne vom Atlantik bis zum Ärmelkanal führt die abwechslungsreiche Route: Auf rund 500 Kilometern geht es durch verschiedene Landschaften zu Kunst und Kulinarik an Kanal, Fluss oder am Meer entlang.

 

Kopfsteinpflastergasse in Dinards Altstadt.
Das gebogene Boot des Künstlers Erwin Wurm.

Es knarrt ein bisschen, dann hebt der Riesenvogel sirrend ab. Seine ­Passagiere blicken freudig staunend auf uns Zuschauende herab. Sie sitzen in Körben, die an dem Vogel befestigt sind, und bewegen mittels Mechanik die Flügel. Der Metallvogel ist eine der faszinierenden Maschinen, die man auf der Insel Île de Nantes in der Loire mitten in der Stadt Nantes bewundern kann. Auch eine Fahrt im Karussell mit Meerestieren oder eine Runde im Bauch eines Elefanten sind hier möglich.

Der Besuch der Nantes-Insel ist Teil einer Stadtrundfahrt, die wir mit dem Fahrrad machen: Bénédicte zeigt uns die vielen Kunstwerke der Stadt, in einer weiteren Tour geht es mit Pablo in die Altstadt. Zweifelsohne ist Nantes eine Stadt des Spiels und der Kunst, das zeigt auch ein historischer Brunnen mit Figuren von modernen Bürger:innen aus Nantes. 

Ozeandampfer 

Entlang der Loire geht es weiter Richtung Meer und an weiteren Kunstwerken vorbei, wie dem gekrümmten blauen Boot des ­österreichischen Künstlers Erwin Wurm. Es ist Teil der Open-Air-Ausstellung L’Estuaire, die von Nantes bis Saint-Nazaire internationale Kunst am und im Fluss zeigt: Das „Haus in der Loire“ von Jean-Luc Courcoult steht tatsächlich im Fluss.

In Saint-Nazaire besuchen wir das Museum „Escal‘Atlantic“ und fühlen uns wie auf einem Ozeandampfer aus vergangenen Zeiten. „Willkommen an Bord“, sagt Josselin und zeigt uns die schönen Erste-Klasse-Kabinen – original Anfang des 20. Jahrhunderts. Unten in der 3. Klasse sieht es längst nicht so nett aus. In der Bordbar mit Leuchtern und Wandteppichen trinken wir einen Kaffee und bewundern die nachgedruckte Cocktailkarte. 

Die Ozeandampfer fuhren von Saint-Nazaire aus nach Lateinamerika – deshalb gibt es den Stadtteil Havanna und Straßennamen wie Veracruz und Mexiko mit wunderschönen Villen. Auch Wandmalereien verweisen auf die Vergangenheit und manchmal auch auf Szenen der Comic-Reihe Tim und Struppi.

 

Blick auf den Fluss Vilaine in La Roche-Bernard.
Haus auf Leuchtturm: La Villa Cheminée von Tatzu Nishi.

Sand und Salz

Die Villen in La Baule sind noch mondäner. Der Ort hat eine neun Kilometer lange Sandstrandbucht, doch „vor dem 19. Jahrhundert gab es hier nichts, man musste erst einmal Bäume pflanzen, um den Sand daran zu hindern, in den Ort einzudringen“, sagt die radelnde Stadtführerin Ingrid Perrais. Dann kamen die Reichen, um hier zu kuren, die Promenade entlang zu spazieren, gesehen zu werden und in einer der 6.000 Villen zu residieren – oder in einem der 200 Zimmer des Hotels L‘Hermitage. Es gab keinen bestimmten Stil – man baute, wie man wollte – entsprechend farbenfroh ist das Bild.

Entlang der felsigen Küste bläst der Wind und Salz liegt in der Luft: In die großen Bassins schwappt das Meerwasser und zirkuliert in ihnen. Salzbauer Matthieu Le Chantoux erklärt das System und wie Sonne, Wind und Hitze ihm von Mai bis Oktober die Meersalz-Ernte ermöglichen.

Druidenwald 

Die Traversée Bretonne ist ein Konglomerat aus verschiedenen Radrouten mit unterschiedlicher Beschilderung. Teils radeln wir auf Asphalt, teils auf wassergebundener Ober­fläche. Manches ist nicht optimal: Umlaufschranken sind mit Packtaschen oft zu eng, die Anstiege vom Kanal hinauf zur Straße sind steil und es ist kaum Platz, um sich an den Straßen mit den Rädern zum Queren aufzustellen. Dank der gut ausgebauten Abschnitte überwiegt aber die Freude an der Strecke.

Unser Weg ist nun von Eichen, Kastanien, Farnen, Rosenstöcken und Hortensien gesäumt. In La Roche-Bernard mit dem hoch aufragenden Felssporn sitzen seltsame kleine Tonfiguren auf den Fenstersimsen. Unten fließt die Vilaine, und wir radeln an ihr entlang bis sie in Redon auf den Kanal Nantes-Brest trifft. Hier kreuzen sich auch einige Radrouten.

Wir bleiben auf dem gut ausgebauten ehemaligen Treidelweg an der Vilaine. Die Landschaft ist „sagenhaft“: Im Wald sind die Bäume mit Efeu und Misteln bewachsen – sodass man ständig mit Mistel schneidenden Druiden rechnet. Tatsächlich treffen wir in den nächsten Stunden nur auf zwei Hausboote und drei Menschen auf Fahr­rädern – c‘est tout. In Guipry-Messac lassen wir es uns in der Crêperie du Port gut gehen.

Der Radweg Richtung Cancale bietet schöne Aussichten.
Die Traversée Bretonne endet am Mont Saint Michel.

Mosaikkunst

In Rennes, der Hauptstadt der Bretagne, gibt es die Straße des Dursts (Rue de la Soif) mit besonders hoher Kneipendichte. Das granitene Grau der Stadt wird durch Mosaike aufgehübscht, oft im Art-Déco-Stil, aber auch mit bildlichen ­Darstellungen wie einer Krabbe am Fischladen oder einer Welle am Schwimmbad. Stadtführerin Sabrina erklärt uns, dass die Mosaik-Tradition in Rennes von den Gebrüdern Odorico begründet wurde. Sie sind für ihre Art-Déco-Mosaike bekannt.

Die Vilaine teilt die Stadt: Im nördlichen Teil sind die Pracht­bauten, im südlichen Teil – dem einstigen Überschwemmungs­gebiet – siedelten sich die Gerber an. 270 Fachwerkhäuser sind in der Altstadt noch zu bewundern, wie das Tik Koz, was auf Bretonisch „altes Haus“ bedeutet. Rennes war auch Krönungsstadt: In der Kathedrale wurde Anne de Bretagne zur Herzogin der Bretagne und somit zur letzten Herrscherin der Bretonen gekrönt. Neben ihr gibt es eine weitere bekannte Heldin: die „bretonische Tigerin“. Jeanne de Belville war eine Piratin des 14. Jahrhunderts, die aus Rache für den Tod ihres Mannes Schiffe des französischen Königs zerstörte.

Genauso schön wie man nach Rennes hineinrollt, geht es auch wieder hinaus: Idyllisch am Kanal d‘Ille-et-Rance entlang, vorbei an Schleusen und putzigen Schleusenwärterhäuschen mit Gärtchen bis Hédé-Bazouges. Dort steht ein Meisterwerk der Technik – eine „Wassertreppe“ mit elf Schleusen. Sie hilft Booten auf einer Länge von zwei Kilometern dabei, einen Höhenunterschied von 27 Metern zu überwinden.


Château de Montmuram in Les Iffs mit Zugbrücke.

Dinan und Dinard 

Bei Évran biegen wir auf den Flussradweg an der Rance ein, kommen nach Lehon und ins mittelalterliche Dinan. Mit Rosa wandern wir steil hinauf in die Oberstadt und zur im 11. Jahrhundert erbauten Festung. Sie thront auf einem Felsplateau. Dinan ist zu Recht ein nationales Kulturdenkmal mit seinen Gassen, Fachwerkhäusern, dem Uhrturm und der Stadtmauer. Auf der Place Duguesclin befindet sich das Monument des gleichnamigen Volkshelden: „Er rettete Dinan 1359 vor der Belagerung durch die Engländer“, sagt Rosa. 

Dinard klingt zwar ähnlich wie Dinan, ist aber ganz anders: Die Villen der Stadt gehen auf Briten zurück. In der weit geschwungenen Bucht kann man vom Strand „Plage L‘Écluse“ aus auf die ­komplett von einer Stadtmauer umgebene Piratenstadt Saint Malo schauen. Ein kurzer Trip mit einer Fähre bringt uns dorthin. 

Ärmelkanal 

Es folgt die letzte Etappe: Immer wieder geht es direkt am Ärmelkanal entlang oder mit Blick auf die Salzwiesen und das Marschland durchs Hinterland. In Cancale probieren wir ein paar Austern direkt vom Erzeuger; in Le-Vivier-sur-Mer gönnen wir uns eine letzte Galette, eine Art Pfannkuchen aus Buchweizenmehl. Schließlich schiebt sich der Mont-Saint-Michel eindrucksvoll ins Blickfeld. Das muss man genießen, langsam rollen wir auf ihn zu.

Die Traversée Bretonne ist geschafft! Radwelt-Leser:innen wissen: Hier beginnt oder endet auch die Radroute Véloscénie – und man könnte weiter radeln bis nach Paris ... 

Dinan und Dinard Bei Évran

Bei Évran biegen wir auf den Flussradweg an der Rance ein, kommen nach Lehon und ins mittelalterliche Dinan. Mit Rosa wandern wir steil hinauf in die Oberstadt und zur im 11. Jahrhundert erbauten Festung. Sie thront auf einem Felsplateau. Dinan ist zu Recht ein nationales Kulturdenkmal mit seinen Gassen, Fachwerkhäusern, dem Uhrturm und der Stadtmauer. Auf der Place Duguesclin befindet sich das Monument des gleichnamigen Volkshelden: „Er rettete Dinan 1359 vor der Belagerung durch die Engländer“, sagt Rosa. 

Dinard klingt zwar ähnlich wie Dinan, ist aber ganz anders: Die Villen der Stadt gehen auf Briten zurück. In der weit geschwungenen Bucht kann man vom Strand „Plage L‘Écluse“ aus auf die ­komplett von einer Stadtmauer umgebene Piratenstadt Saint Malo schauen. Ein kurzer Trip mit einer Fähre bringt uns dorthin. 

Ärmelkanal

Es folgt die letzte Etappe: Immer wieder geht es direkt am Ärmelkanal entlang oder mit Blick auf die Salzwiesen und das Marschland durchs Hinterland. In Cancale probieren wir ein paar Austern direkt vom Erzeuger; in Le-Vivier-sur-Mer gönnen wir uns eine letzte Galette, eine Art Pfannkuchen aus Buchweizenmehl. Schließlich schiebt sich der Mont-Saint-Michel eindrucksvoll ins Blickfeld. Das muss man genießen, langsam rollen wir auf ihn zu.

Die Traversée Bretonne ist geschafft! Radwelt-Leser:innen wissen: Hier beginnt oder endet auch die Radroute Véloscénie – und man könnte weiter radeln bis nach Paris ..


 Judith Weibrecht


Bretagne Kompakt

Informationen

Traversée Bretonne: https://traversee-bretonne.com mit GPX-Daten; Reiseführer „Moderne Reise durch ein altes Land – mit dem Rad“ zum Herunterladen: www.calameo.com/read/0001068664c30b6a8fe75

An- und Abreise

In Zügen mit Fahrradmitnahme z. B. nach Straßburg, ab da TGV nach Nantes (ohne Umsteigen in Paris). Zurück ab Pontorson-St-Michel via Rennes und Paris: www.bahn.de

Literatur und Karten

Marcus X. Schmid: Bretagne; Michael Müller Verlag, ISBN 9783966854276, 27,90 Euro
A. Benureaux: Traversée Bretonne (französisch, mit Karten und Infos), Ouest France, 14,90 Euro
Hergé: Tim und Struppi, Band 12 „Die sieben Kristallkugeln“
Kommissar Dupin, diverse Bücher & Filme
Jaques Tati: „Die Ferien des Monsieur Hulot“, Film 1953, gedreht in Saint-Marc-sur-Mer, St. Nazaire

Fahrräder mieten

Abicyclette voyages: www.abicyclette-voyages.com (auch Einweg)

Neun Etappen

Nantes – Bougenais, ca. 14 km
Bougenais – Cordemais Bhf., ca. 51 km (Zug nach La Baule)
La Baule – Saint Molf (Keritry), ca. 54 km
Saint Molf (Keritry) – La Roche-Bernard, ca. 44 km
La Roche-Bernard – Redon, ca. 40 km
Redon – Guipry Messac, ca. 43 km (Zug nach Rennes)
Rennes – Hédé-Bazouges – Saint-Brieuc-des-Iffs, ca. 50 km
Saint-Brieuc-des-Iffs – Dinard, ca. 68,5 km
Dinard – Mont-Saint-Michel, ca. 76 km

Acceuil Velo Hotels (entspricht etwa „Bett + Bike“)

• B&B Le Nid du Masserea,
1 rue des Massereaux, 44340 Bouguenais,
Tel.: +33 (0)7 52 03 11 84,
www.leniddumassereau.fr/maison/ (Fahrradschuppen)

• Hôtel Mona Lisa,
42 avenue Geogres Clémenceau, 44500 La Baule,
Tel.: +33 (0)2 40 60 21 33
www.hotelmonalisa-labaule.com/fr
(Fahrrad musste leider im Hof stehen bleiben)

• B&B La Balade des Marais, 5 kertitry, Saint Molf 44350,
Tel.: +33 (0)7 69 69 31 26,
www.labaladedesmarais.com (Unterstellplätze für Fahrräder)

• Hotel Les Deux Magots,
3 Place du Bouffay, 56130 La Roche-Bernard,
www.hotellesdeuxmagots.com

• B&B M La Madeleine, 8 rue du Châtelet, 35600 Redon,
Tel.: +33 (0)6 42 88 36 76,
https://mlamadeleine.com (Hütte für Fahrräder)

• Camping Les Salorges in Guipry-Messac (direkt am Radweg),
vermietet kleine „Cabanes“ (Holzhütten),
www.guipry-messac.fr/camping-municipal-les-salorges

• Hôtel Le Victoria,
35 avenue Janvier, 35000 Rennes,
Tel.: +33 (0)2 99 31 69 11,
www.hotel-levictoria.com/fr
(Stellplätze für Fahrräder im abgeschlossenen Hof)

• B&B Fleurs de Lin,
1 rue du lin et du chanvre, 35630 Saint-Brieuc-des-Iffs,
https://fleursdelin.fr
(mit abschließbarem Fahrrad-Unterstand)

• Hôtel Saint-Michel,
54 bd L’hotelier, 35800 Dinard,
Tel.: +33 (0)2 99 73 81 60,
www.hotel-saintmichel-dinard.com
(Unterstand im abgesperrten Hof für Fahrräder)

• Hôtel Vert,
La Caserne, 50170 Mont-Saint-Michel,
https://vert.hotelmontsaintmichel.org/fr/

Restaurants, Cafes, Kneipen

• Restaurant Simone, Nantes

• Bar Iodé, Saint-Nazaire

• Restaurant Les Fils à Maman,
16 Boulevard Darlu, 44500 La Baule-Ecoublac,
www.lesfilsamaman.com/restaurants/La-Baule
(direkt am Strand!)

• Restaurant Le Sarah B.,
9 quai Saint Antoine – Le Vieux Port, 56130 La Roche-Bernard,
www.lesarahb.fr

• Restaurant La Cuillère en Bois,
33 rue de douves, 35600 Redon

• Crêperie du Port,
3 quai des Bateliers, 35480 Guipry-Messac

• Kiosk direkt am Radweg am Ufer des Canal d’Ill et Rance in Évran
(gegenüber der Kirche Saint Pierre) mit Kaffee, Croissants usw.
Sehr nett.

• Crêperie Ty Coz,
9 Rue du Quai, Dinan, FR 22100,
https://www.cotesdarmor.com/fr/fiche/restauration
/ty-coz-dinan_TFORESBRE022V54841Q/

• Restaurant Beauséjour,
Place du Calvaire, Saint Enogat, Dinard, FR 35800,
www.beausejourbrasserie.fr

• Les Huitres Philippe,
Port de la Houle (La criée), Cancale, frische Austern,
direkt am Hafen/Promenade

• Crêpes-Bude und Austern-Muscheln-Bude (nebeneinander)
direkt am Radweg kurz vor der Aire de Picnic in Vivier-sur-Mer,
58 Rue de la Grève, 35960 Le Vivier-sur-Mer

• Restaurant La Salicorne,
La Caserne 50170 Le Mont Saint Michel,
https://restaurants.le-mont-saint-michel.com/
nos-restaurants/la-salicorne/

Sehenswürdigkeiten und Adressen der Tourismusbüros

• Nantes: www.levoyageanantes.fr

• Kunstparcours Estuaire: www.estuaire.info/fr/
kunstparcours-estuaire-nantes-saint-nazaire-frankreich/

• Saint-Nazaire: www.saint-nazaire-tourisme.de

• La Baule: www.labaule-guerande.com

• „L‘Atelier du sel“ (Laden) von Salzbauer Matthieu Le Chantoux,
Tel.: +33 (0)6 78 62 74 8https://leseldeguerande.fr,
macht Führungen zum Thema Salzerzeugungen

• Rennes: www.tourisme-rennes.com

• Dinan-Cap Frehel: www.dinan-capfrehel.com

• Dinard: www.dinardemeraudetourisme.com

• Les Bateaux Rouges:
Fähren mit Fahrradmitnahmen von Dinard nach Saint Malo,
www.bateauxrouges.com, Überfahrt dauert 10 Minuten und
kostet 8,70 € pro Person und Fahrrad

• Saint Malo: www.saint-malo-tourisme.com