Das gebogene Boot des Künstlers Erwin Wurm.
Blick auf den Fluss Vilaine in La Roche-Bernard.
Haus auf Leuchtturm: La Villa Cheminée von Tatzu Nishi.
Sand und Salz
Die Villen in La Baule sind noch mondäner. Der Ort hat eine neun Kilometer lange Sandstrandbucht, doch „vor dem 19. Jahrhundert gab es hier nichts, man musste erst einmal Bäume pflanzen, um den Sand daran zu hindern, in den Ort einzudringen“, sagt die radelnde Stadtführerin Ingrid Perrais. Dann kamen die Reichen, um hier zu kuren, die Promenade entlang zu spazieren, gesehen zu werden und in einer der 6.000 Villen zu residieren – oder in einem der 200 Zimmer des Hotels L‘Hermitage. Es gab keinen bestimmten Stil – man baute, wie man wollte – entsprechend farbenfroh ist das Bild.
Entlang der felsigen Küste bläst der Wind und Salz liegt in der Luft: In die großen Bassins schwappt das Meerwasser und zirkuliert in ihnen. Salzbauer Matthieu Le Chantoux erklärt das System und wie Sonne, Wind und Hitze ihm von Mai bis Oktober die Meersalz-Ernte ermöglichen.
Druidenwald
Die Traversée Bretonne ist ein Konglomerat aus verschiedenen Radrouten mit unterschiedlicher Beschilderung. Teils radeln wir auf Asphalt, teils auf wassergebundener Oberfläche. Manches ist nicht optimal: Umlaufschranken sind mit Packtaschen oft zu eng, die Anstiege vom Kanal hinauf zur Straße sind steil und es ist kaum Platz, um sich an den Straßen mit den Rädern zum Queren aufzustellen. Dank der gut ausgebauten Abschnitte überwiegt aber die Freude an der Strecke.
Unser Weg ist nun von Eichen, Kastanien, Farnen, Rosenstöcken und Hortensien gesäumt. In La Roche-Bernard mit dem hoch aufragenden Felssporn sitzen seltsame kleine Tonfiguren auf den Fenstersimsen. Unten fließt die Vilaine, und wir radeln an ihr entlang bis sie in Redon auf den Kanal Nantes-Brest trifft. Hier kreuzen sich auch einige Radrouten.
Wir bleiben auf dem gut ausgebauten ehemaligen Treidelweg an der Vilaine. Die Landschaft ist „sagenhaft“: Im Wald sind die Bäume mit Efeu und Misteln bewachsen – sodass man ständig mit Mistel schneidenden Druiden rechnet. Tatsächlich treffen wir in den nächsten Stunden nur auf zwei Hausboote und drei Menschen auf Fahrrädern – c‘est tout. In Guipry-Messac lassen wir es uns in der Crêperie du Port gut gehen.
Der Radweg Richtung Cancale bietet schöne Aussichten.
Die Traversée Bretonne endet am Mont Saint Michel.
Mosaikkunst
In Rennes, der Hauptstadt der Bretagne, gibt es die Straße des Dursts (Rue de la Soif) mit besonders hoher Kneipendichte. Das granitene Grau der Stadt wird durch Mosaike aufgehübscht, oft im Art-Déco-Stil, aber auch mit bildlichen Darstellungen wie einer Krabbe am Fischladen oder einer Welle am Schwimmbad. Stadtführerin Sabrina erklärt uns, dass die Mosaik-Tradition in Rennes von den Gebrüdern Odorico begründet wurde. Sie sind für ihre Art-Déco-Mosaike bekannt.
Die Vilaine teilt die Stadt: Im nördlichen Teil sind die Prachtbauten, im südlichen Teil – dem einstigen Überschwemmungsgebiet – siedelten sich die Gerber an. 270 Fachwerkhäuser sind in der Altstadt noch zu bewundern, wie das Tik Koz, was auf Bretonisch „altes Haus“ bedeutet. Rennes war auch Krönungsstadt: In der Kathedrale wurde Anne de Bretagne zur Herzogin der Bretagne und somit zur letzten Herrscherin der Bretonen gekrönt. Neben ihr gibt es eine weitere bekannte Heldin: die „bretonische Tigerin“. Jeanne de Belville war eine Piratin des 14. Jahrhunderts, die aus Rache für den Tod ihres Mannes Schiffe des französischen Königs zerstörte.
Genauso schön wie man nach Rennes hineinrollt, geht es auch wieder hinaus: Idyllisch am Kanal d‘Ille-et-Rance entlang, vorbei an Schleusen und putzigen Schleusenwärterhäuschen mit Gärtchen bis Hédé-Bazouges. Dort steht ein Meisterwerk der Technik – eine „Wassertreppe“ mit elf Schleusen. Sie hilft Booten auf einer Länge von zwei Kilometern dabei, einen Höhenunterschied von 27 Metern zu überwinden.
Château de Montmuram in Les Iffs mit Zugbrücke.
Dinan und Dinard
Bei Évran biegen wir auf den Flussradweg an der Rance ein, kommen nach Lehon und ins mittelalterliche Dinan. Mit Rosa wandern wir steil hinauf in die Oberstadt und zur im 11. Jahrhundert erbauten Festung. Sie thront auf einem Felsplateau. Dinan ist zu Recht ein nationales Kulturdenkmal mit seinen Gassen, Fachwerkhäusern, dem Uhrturm und der Stadtmauer. Auf der Place Duguesclin befindet sich das Monument des gleichnamigen Volkshelden: „Er rettete Dinan 1359 vor der Belagerung durch die Engländer“, sagt Rosa.
Dinard klingt zwar ähnlich wie Dinan, ist aber ganz anders: Die Villen der Stadt gehen auf Briten zurück. In der weit geschwungenen Bucht kann man vom Strand „Plage L‘Écluse“ aus auf die komplett von einer Stadtmauer umgebene Piratenstadt Saint Malo schauen. Ein kurzer Trip mit einer Fähre bringt uns dorthin.
Ärmelkanal
Es folgt die letzte Etappe: Immer wieder geht es direkt am Ärmelkanal entlang oder mit Blick auf die Salzwiesen und das Marschland durchs Hinterland. In Cancale probieren wir ein paar Austern direkt vom Erzeuger; in Le-Vivier-sur-Mer gönnen wir uns eine letzte Galette, eine Art Pfannkuchen aus Buchweizenmehl. Schließlich schiebt sich der Mont-Saint-Michel eindrucksvoll ins Blickfeld. Das muss man genießen, langsam rollen wir auf ihn zu.
Die Traversée Bretonne ist geschafft! Radwelt-Leser:innen wissen: Hier beginnt oder endet auch die Radroute Véloscénie – und man könnte weiter radeln bis nach Paris ...
Dinan und Dinard Bei Évran
Bei Évran biegen wir auf den Flussradweg an der Rance ein, kommen nach Lehon und ins mittelalterliche Dinan. Mit Rosa wandern wir steil hinauf in die Oberstadt und zur im 11. Jahrhundert erbauten Festung. Sie thront auf einem Felsplateau. Dinan ist zu Recht ein nationales Kulturdenkmal mit seinen Gassen, Fachwerkhäusern, dem Uhrturm und der Stadtmauer. Auf der Place Duguesclin befindet sich das Monument des gleichnamigen Volkshelden: „Er rettete Dinan 1359 vor der Belagerung durch die Engländer“, sagt Rosa.
Dinard klingt zwar ähnlich wie Dinan, ist aber ganz anders: Die Villen der Stadt gehen auf Briten zurück. In der weit geschwungenen Bucht kann man vom Strand „Plage L‘Écluse“ aus auf die komplett von einer Stadtmauer umgebene Piratenstadt Saint Malo schauen. Ein kurzer Trip mit einer Fähre bringt uns dorthin.
Ärmelkanal
Es folgt die letzte Etappe: Immer wieder geht es direkt am Ärmelkanal entlang oder mit Blick auf die Salzwiesen und das Marschland durchs Hinterland. In Cancale probieren wir ein paar Austern direkt vom Erzeuger; in Le-Vivier-sur-Mer gönnen wir uns eine letzte Galette, eine Art Pfannkuchen aus Buchweizenmehl. Schließlich schiebt sich der Mont-Saint-Michel eindrucksvoll ins Blickfeld. Das muss man genießen, langsam rollen wir auf ihn zu.
Die Traversée Bretonne ist geschafft! Radwelt-Leser:innen wissen: Hier beginnt oder endet auch die Radroute Véloscénie – und man könnte weiter radeln bis nach Paris ..
Judith Weibrecht




